Platypus Panel: „Sexuelle Befreiung und die Linke“ am 12.11.2025 an der Universität Wien.
Eva Novotny, Utta Isop, Nathalie, Nadja Dostal Die Idee einer Befreiung der Geschlechter datiert zurück vor den Marxismus: Es waren utopische Sozialisten wie Charles Fourier und Mary Wollstonecraft, die formulierten, dass das Versprechen von „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit” der bürgerlichen Revolutionen nur von Bedeutung sei, wenn es alle Menschen beträfe. Diese Forderung nahm der historische Marxismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in der Frage nach der „Befreiung der Frau” auf und versuchte, sie in der proletarischen Weltrevolution umzusetzen. Nachdem der Versuch einer solchen Revolution in den Jahren 1919 bis 1923 als gescheitert galt, schienen Fragen der Sexualität von geringer Bedeutung für die Überreste marxistischer und sozialistischer Politik. Es war die Neue Linke, die Idee von sexueller Befreiung erneut aufmachte und damit eine Kritik des Marxismus formulierte. Auch die zweite Welle des Feminismus, die sich aus dem gescheiterten Projekt der Neuen Linken ergab, war desillusioniert. Sexualität wurde entsexualisiert, das Persönliche politisch und die Unmöglichkeit von Sexualität und Politik, lastet als „Tradition aller toten Geschlechter wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.” Was verstehen wir unter befreiter Sexualität? Welche Möglichkeiten zur Befreiung von Sexualität gibt es im Kapitalismus? Wo liegen die Grenzen? Wie stellen wir uns sexuelle Befreiung im Sozialismus vor? Linke haben Phänomene wie gleichgeschlechtliche Ehe, Sexarbeit, Abtreibung, Geschlechterfluidität und Homosexualität auf unterschiedliche Weise als Symptome von Austeritätspolitik und/oder Klassenprivilegien beschrieben. Wie prägen wirtschaftliche und politische Veränderungen unsere Vorstellungen von sexueller Freiheit? Warum hat der kapitalistische Staat historisch gesehen in das individuelle Sexualleben eingegriffen, und unter welchen Umständen, wenn überhaupt, sollte die Linke Forderungen nach staatlicher Intervention unterstützen? Inwiefern ist es der Linken gelungen oder nicht gelungen, ihre zivilgesellschaftlichen und politischen Bemühungen im Kampf für sexuelle Befreiung miteinander zu verbinden? Wie könnte eine politische Bewegung für sexuelle Befreiung heute aussehen?
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